Gitarre stimmen

Einführung und Tipps wie deine Gitarre immer richtig gestimmt ist

Warum ist das Stimmen der Gitarre so wichtig?

Von meinen jungen Gitarren-Anfängerinnen und Anfängern bekomme ich oftmals das Feedback, dass das Stimmen der Gitarre langweilig und mühsam ist. Dafür habe ich einiges Verständnis: Jetzt hat man dieses Instrument in der Hand, will gleich loslegen und muss sich noch vorher mit der kryptischen Anzeige des Stimmgerätes herumschlagen.
Allerdings stärken wir beim Gitarrelernen nicht nur die feinmotorischen Fähigkeiten unserer Hände, sondern auch maßgeblich unsere Hörfähigkeiten. Nach einiger Zeit kann man mit Hilfe seiner eigenen Ohren, Klänge zuordnen, Melodien durch das Hören erlernen und, während man spielt, hören ob und welche Saite verstimmt ist. Um auf dieses musikalische Level zu kommen, braucht es eine solide Basis, die eine gestimmte Gitarre bietet. Übst du von Anfang an mit einer gut gestimmten Gitarre, wirst du dich schnell an diesen sauberen Klang gewöhnen und im Falle, dass dein Instrument verstimmt ist, dies sofort fühlen beziehungsweise hören.

Was bedeutet Gitarre stimmen?

Der mechanische Vorgang ist relativ schnell erklärt. Mit Hilfe der Stimmwirbel, die sich zu 99% der Gitarren am Gitarren-Kopf befinden, kannst du jede einzelne Saite anziehen beziehungsweise die Saite entspannen.
In überwiegender Mehrheit werden Gitarrensaiten so aufgespannt, dass folgende Drehrichtungen, bei den Stimmwirbeln stimmen:
Drehst du gegen den Uhrzeigersinn wird die Seite höher. Der umgekehrte Drehvorgang bewirkt, dass die Saite tiefer wird.

Hin und wieder passiert es gerade Anfängerinnen und Anfängern, dass eine Saite „falsch“ aufgespannt wird und somit diese anders am Stimmwirbel gedreht werden muss als bei den restlichen fünf. Das macht das Stimmen der Gitarre nicht gerade entspannter, daher empfehle ich auch das Aufziehen einer Saite von einem Profi deiner Wahl gezeigt zu bekommen, dadurch gibt es nachher keine Verkomplizierungen beim Stimmen.

Widmen wir uns nun dem Basis-Stimmton, also welcher Ton beziehungsweise Frequenz unsere Basis für den gesamten Stimmprozess ist. Denn Instrumente können in sich gut gestimmt sein, allerdings wenn zwei Gitarren nicht die selbe Frequenz-Basis haben, klingt es unerträglich im Zusammenspiel. In der Popularmusik hat man sich beim Stimmton „a1“ auf 440 Hz (Hertz = Schwingung einer Sinuswelle pro Sekunde) geeinigt. Dies wird auch als Kammerton „a“ bezeichnet. Je höher die Hertz-Zahl umso höher der Ton (und umgekehrt). Spannend dazu finde ich die Seite von Markus Schönewolf: Kammerton (Link: https://schoenewolf.com/kammerton/). Hier kannst du dir mal diesen Ton wie er in unterschiedlichen Frequenzen klingt anhören.
Hast du die Gelegenheit mit Musikerinnen und Musikern im klassischen Bereich zu musizieren, wirst du meist deine Gitarre auf 442 Hz oder 443 Hz stimmen müssen. Dies variiert von Fall zu Fall. Ich überprüfe dies immer vorab mit meiner Stimm-App. Von 433Hz, bei einer Aufnahme mit Domorgel im Winter bis hin zu 443 Hz bei einem klassischen Orchester hatte ich schon alles dabei.

Wie oft soll ich stimmen?

Auf diese Frage gibt es eine klare kurze Antwort: Jedes Mal bevor du zum Üben anfängst oder unmittelbar bevor der Unterricht startet ist das Sicherstellen einer sauber Stimmung unverzichtbar. Faktoren wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit wirken auf die Gitarre und die Saiten ein. Somit gibt es auch ständig Veränderungen bei den Saiten. Gerade am Anfang empfiehlt es sich wie vorher schon angemerkt, dass man nie zu oft stimmen kann. Lieber einmal schnell mit dem Stimmgerät alle Saiten durchgehen, ohne an den Stimmwirbeln drehen zu müssen, als seine wertvolle Übe-Zeit mit einer verstimmten Gitarre zu verbringen.

Die Anzeige auf einem Stimmgerät

Egal ob „normales“ Stimmgerät oder App-Lösung, das Prinzip der Anzeige eines Stimmgerätes ist fast immer das selbe. Ziel ist es, jede Saite mit Hilfe der Stimmwirbel so anzupassen, dass sie die gewünschte Tonfrequenz erreicht. Wenn dies der Fall ist, sieht die Anzeige meist so aus:

Digitale Stimmgerät Anzeige

Stimgerät Demonstration Ton gestimmt analog

Analoge Stimmgerät Anzeige

Stimgerät Demonstration Ton gestimmt

Die Zahl „0“ gibt an, dass keine Abweichung, die in „Cent“ gemessen wird, vorhanden ist. Wäre die zu stimmende Saite zu tief würden die zwei Displays so aussehen:

Digitale Stimmgerät Anzeige

Stimgerät Demonstration Ton zu tief digital

Analoge Stimmgerät Anzeige

Stimgerät Demonstration Ton zu tief analog

Also drehe ich wie vorher beschrieben langsam gegen den Uhrzeigersinn bis die Anzeige auf Null steht. Würde ich zu viel drehen beziehungsweise würde die Saite prinzipiell zu hoch sein, sehe das Display folgenderweise aus:

Digitale Stimmgerät Anzeige

Stimgerät Demonstration Ton zu hoch digital

Digitale Stimmgerät Anzeige

Stimgerät Demonstration Ton zu hoch

Ein kleiner Praxis-Tipp für den Fall, dass die Saite mal zu hoch ist:
Stimme die Saite unter „0“ und ziehe sie dann langsam auf die richtige Frequenz an. Somit ist jede Saite immer „auf Zug“ gestimmt und hält meiner Erfahrung nach länger ihre Stimmung.

Stimmen der Gitarre ohne Stimmgerät

Will man die Gitarre ohne Stimmgerät in die richtige Stimmung bringen, empfiehlt sich eine handelsüblich Stimmgabel (Kammerton a’=440hz). Mit dieser kann die A-Saite der gewünschten Frequenzen angepasst werden. Ausgehend von dieser gibt es 3 gängige Möglichkeiten:

  1. Stimmen mit Hilfe der Referenz-Töne auf den Nachbarsaiten. Du spielst also die gestimmte A-Saite um den Klang abzuspeichern. Nun suchst du auf der tiefen E-Saite den selben Ton (V. Bund) und passt diese Saite so an, dass sie gleich schwingt, die Reibung welche entsteht je näher man an den gleichen Ton kommt, verschwindet. Spielst du dann den Ton „d“ auf der A-Saite hast du somit den Referenz-Ton für die nächste Saite und so kann man sich dann bis zur e-Saite arbeiten. ACHTUNG: Aufgrund der großen Terz zwischen g- und h-Saite befindet sich der Referenzton „h“ am IV. Bund.
  2. Meine Lieblingsmethode ist, dass ich nach den jeweiligen Intervallen zwischen den Saiten stimme. Aufgrund meiner langjährigen Hör-Erfahrung weiß ich, wie sich eine Quart und eine Terz anhören, wenn sie wirklich sauber klingen. Ich spiele also nur die jeweiligen benachbarten Leersaiten und passe so ihre Tonhöhe an. Diese Methode funktioniert vor allem bei Akustik-Gitarren und neuen Saiten, aufgrund ihres Oberton-Reichtums besonders gut.
  3. Stimmen mit Hilfe von Flageolett-Tönen. Erzeugt man einen Flageolett-Ton am V. Bund auf der E-Saite bekommt man den Ton „e2“. Der exakt selbe Ton entsteht, wenn man auf der A-Saite einen Flageolett-Ton am VII.Bund spielt. Somit hat man zwei Töne, die zur selben Zeit schwingen und kann so die benachbarte Saite problemlos anpassen. Dies funktioniert auf allen Saiten bis auf das Saiten-Paar g und h (wieder aufgrund des Terzen-Abstands). Allerdings bekommt man mit einem Flageolett-Ton am VII. Bund auf der E-Saite den Ton „h“, welcher dann als Referenz-Ton für die leere 2.Saite genommen werden kann.
Von | 1. Mai, 2018|

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