Töne auf der Gitarre

Orientierung am Gitarrengriffbrett

Die Fähigkeit zu wissen in welcher Lage welche Töne sich auf der Gitarre befinden, ist eine der wichtigsten die man sich im Laufe der Zeit als Gitarristin und Gitarrist erarbeiten kann. Die Vorteile liegen klar auf der Hand:
Anstatt blind irgendwelche Fingersätze und Akkorddiagramme anzuwenden, kann man in Kombination mit einem fundierten Theoriewissen nahezu alles selbst herleiten und vor allem analysieren. Als ich damals von meinem ehemaligen Gitarrenlehrer Drop-2-Voicings gezeigt bekam übte ich die monatelang rauf und runter sowie durch alle Tonarten. Aufgrund der vielen Anwendungs-Möglichkeiten dieser Akkordtypen wurden meine Jazz-Voicings wurden definierter und variantenreicher. Ich hatte Blut geleckt und wollte noch mehr andere spannende Akkordtypen lernen. Nach einem Standards-Gig fragte ich den Pianisten welche speziellen Voicings er sich ausgeheckt hat. Verblüfft gab er mir zu Verstehen, dass er sich seine Vierklänge selber zusammen baut. Man wisse ja, aus welchen Tönen welcher Akkord besteht.

Standortbestimmung

Nach diesem Schlüsselerlebnis suchte ich nach Wegen die Gitarre, ähnlich wie ein Pianist seine Klaviertastatur sieht, begreifen zu können. Dies brachte mich gleich dazu, warum uns Gitarristinnen und Gitarristen das allerdings so schwer fällt. Ein großer Unterschied ist schon mal die Tatsache, dass wir oft für ein und den selben Ton verschiedene Möglichkeiten haben diesen zu greifen wie zum Beispiel der Ton c2:

Veranschaulichung des Ton c2 auf dem gesamten Gitarrengriffbrett

Erschließung des Gitarrengriffbretts

Anstatt nun also zu Wissen wo überall das c1 sich befindet war es eher mein Ziel, den Ton „c“ auf allen 6 Saiten, im begrenzen Raum I.-XII. Bund, zu finden. Ich schrieb mir also alle Töne von C-Dur pro Saite auf und übte dann jeweils das „C“ auf allen 6 Saiten. Mein Plan war, pro Woche einen Ton auswendig zu lernen. Um sicherzugehen, dass ich mit dieser Vorgehensweise voran komme, implementierte ich diese Übung gleich in mein fixes Warm-Up um garantiert keinen Tag zu verschwenden. Außerdem versuchte ich wenn ich mit Bus oder Bahn unterwegs war, dies auch mental zu üben um es noch mehr in meinem Geist zu verfestigen. Ich stellte mir imaginär mein Gitarrengriffbrett vor und ging dann Saite für Saite den jeweiligen Ton im Geist durch. Wichtig war für mich diese Töne nicht in chromatischer Reihenfolge, also c-des-d etc., pro Woche durchzunehmen sondern mich durch den Quinten-zirkel zu arbeiten. Durch den größeren Abstand der aufeinander folgenden Töne, kann man sich nicht wirklich an den vorher gelernten Ton geistig „anhalten“ und muss sich mehr anstrengen sich all diese Töne zu merken. Da es „nur“ 12 verschiedene Töne gibt, war ich also in ca 3 Monaten fähig alle Töne auf der Gitarre zu finden. So war zumindest mein Plan.
Fairerweise muss ich zugeben, dass dieses Vorhaben aufgrund unterschiedlicher Gegebenheiten nicht ganz aufgegangen ist, aber nach einem halben Jahr hatte ich alles soweit durch, dass ich sicher wusste wo welcher Ton sich befindet. Schon auf dem Übeweg dahin wird einem bewusst, wie hilfreich es ist, sich am Griffbrett orientieren zu können. Zum Beispiel wenn du eine bestimmte Melodie-Linie transkribierst und du wissen willst, warum dieser bestimmte Zielton so gut klingt oder wie du eine bestimmte Melodie in einer anderen Lage spielen kannst.
Ab sofort kann man im selben Moment spielen und „begreifen“ was man eigentlich gerade greift. Man kommt weg von „Punkt-Anordnungen“ am Griffbrett und hin zum logischen Begreifen der musikalischen Vorgänge. Ohne theoretisches Wissen geht es natürlich nicht. Jedoch nützt dir all das mühsam erarbeitet theoretische Musikwissen nichts, wenn du es nicht musikalisch anwenden kannst. Je mehr sich dein Instrument dadurch entmystifiziert umso wissbegieriger wirst du werden. Was gibt es Schöneres als sich der Abhängigkeit der anderen zu entziehen und nun selbst seine eigenen Akkorde, Skalen oder auch Licks herzuleiten beziehungsweise zu transkribieren, um sie dann richtig analysieren und in weiterer Folge richtig anwenden zu können.

Hilfestellung

Für mich war der Moment an dem ich begann alle Töne am Griffbrett nach und nach zu lernen ein Wendepunkt in meinem Gitarrenspiel. Hat man erst einmal damit begonnen will man gar nicht mehr zurück in die Welt des blinden „Fingersatz-Vertrauens“. Für den Anfang könnte dir das PDFTöne aus C-Dur auf allen 6-Saiten“ behilflich sein.
Ich hoffe sehr, dass ich vielleicht für den ein oder anderen den Stein des Anstoßes mit diesem Artikel legen konnte. Falls du noch nähere Fragen hast oder vielleicht andere Übungen, die dir bei diesem Thema geholfen haben, freue ich mich über Kommentare unterhalb.

Von | 13. April, 2018|

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